Nachhaltige Mobilitätsstrategie

Was HR-Entscheider jetzt tun sollten

LOFINO Redaktion
  • Mobilität
Lesezeit: Minuten | Aktualisiert: 04. Juni 2026

Warum nachhaltige Mobilität wichtiger ist denn je

Mobilität ist längst mehr als ein Logistikthema. Sie beeinflusst Mitarbeiterzufriedenheit, Employer Branding, ESG-Kennzahlen und die Frage, ob Talente ein Angebot annehmen oder ablehnen. Personalmanager tragen heute Verantwortung dafür, die richtigen Weichen zu stellen — für Umweltschonung, für individuelle Mitarbeiterbedürfnisse und für die wirtschaftliche Effizienz des Unternehmens.

Zwei aktuelle Studien liefern die Datenbasis für eine zukunftsorientierte Mobilitätsstrategie: der BBM Mobility Survey 2024 (2.870 Befragte) und die Studie "Berufliche Mobilität neu gestalten" des Future Mobility Lab der Universität St. Gallen (3.900 Befragte in Deutschland und der Schweiz).

Was Mitarbeitende wirklich wollen – die Datenlage

Nachhaltigkeit ist kein Nischenthema mehr

  • 59 % der Mitarbeitenden legen bei ihrer Mobilität Wert auf Umweltschutz — in städtischen Regionen sogar 69 % (BBM 2024)
  • 21 % planen konkrete Veränderungen hin zu nachhaltigerer Mobilität: mehr Fahrräder, mehr Elektrofahrzeuge, weniger Verbrenner (BBM 2024)
  • 77 % der Mobilitätsbudget-Nutzung entfällt bereits heute auf nachhaltige Verkehrsmittel wie ÖPNV und Fahrrad

Hybrides Arbeiten verändert Mobilitätsbedarf grundlegend

  • 48 % der Mitarbeitenden arbeiten regelmäßig von zuhause — das reduziert Pendelzeiten, erhöht Flexibilität und verändert, welche Mobilitätsangebote überhaupt genutzt werden (BBM 2024)
  • Die beruflich bedingte Mobilität macht über 40 % des gesamten Verkehrsaufkommens in Deutschland aus — ein enormes Hebelpotenzial für Unternehmen (St. Gallen)
  • 59 % der Unternehmen befinden sich bereits in einem aktiven Wandel ihrer Mobilitätsangebote (St. Gallen)

Die Lücke zwischen Anspruch und Realität

Gleichzeitig: Nur 2 % der Unternehmen bieten ihren Mitarbeitenden ein flexibles Mobilitätsbudget an. Die Nachfrage nach modernen, nachhaltigen Mobilitätslösungen wächst — das Angebot hält nicht Schritt.

Warum klassische Mobilitätsangebote nicht mehr passen

Jobticket, Dienstwagen und Firmenparkplatz wurden für eine Arbeitswelt konzipiert, in der Mitarbeitende täglich dieselbe Strecke zur Arbeit fahren. Diese Welt existiert für einen Großteil der Belegschaft nicht mehr.

  • Ein Monatsticket rechnet sich erst ab regelmäßiger Nutzung — wer hybrid arbeitet, zahlt effektiv 6–8 € pro Fahrt statt 1–3 €
  • Ein Dienstwagen kostet den Arbeitgeber 700–1.100 € monatlich, unabhängig davon ob er genutzt wird — und landet nicht in der ESG-Bilanz auf der positiven Seite
  • Ein Firmenparkplatz verursacht an Homeoffice-Tagen Fixkosten bei null Nutzwert

72 % der Unternehmen beginnen, ihre Flotten zu elektrifizieren, 77 % setzen auf Dienstrad-Leasing (St. Gallen) — aber punktuelle Maßnahmen ohne strategischen Rahmen schaffen keine kohärente Mobilitätsstrategie.

4 Handlungsfelder für HR-Entscheider

1. Mobilitätsprogramme bedarfsgerecht neu denken

Der erste Schritt ist eine Analyse des tatsächlichen Mobilitätsverhaltens der Belegschaft — nicht der Annahmen darüber. Relevante Fragen: Wie oft kommen Mitarbeitende ins Büro? Wie verteilen sich Pendelwege? Gibt es ÖPNV-Anbindung am Standort?

Konkrete Maßnahmen:

  • Flexibles Mobilitätsbudget statt starrem Monatsticket — Mitarbeitende wählen selbst: ÖPNV, Carsharing, E-Bike, Taxi
  • Dienstfahrrad-Leasing anbieten (steuerlich begünstigt mit 0,25-%-Regelung, keine Mindestabnahme)
  • Sichere Abstellplätze und Umkleideräume als Begleitmaßnahme
  • Ladestationen für Elektrofahrzeuge — besonders relevant für Standorte außerhalb von Ballungsräumen

2. Flexibilität als Mobilitätshebel nutzen

Homeoffice ist die effektivste Mobilitätsmaßnahme, die HR umsetzen kann: Wer nicht pendelt, erzeugt keine Emissionen. 48 % der Mitarbeitenden nutzen diese Option bereits.

  • Homeoffice-Richtlinien klar definieren und mit der Mobilitätsstrategie verknüpfen
  • Flexible Arbeitszeiten ermöglichen Mitarbeitenden, Stoßzeiten im ÖPNV zu meiden — senkt Hürden für den Umstieg
  • Das Mobilitätsbudget an tatsächliche Bürotage anpassen: Wer drei Tage/Woche im Büro ist, braucht kein Vollzeit-Monatsticket

3. Nachhaltigkeit als messbares Ziel verankern

Nachhaltige Mobilität ist kein Kommunikationsthema — sie ist eine Kennzahl. Unternehmen, die unter CSRD berichtspflichtig sind oder Investorengespräche führen, müssen Scope-3-Emissionen aus dem Pendelverkehr ausweisen können. Ein Mobilitätsbudget mit digitalem Belegprozess liefert diese Daten automatisch.

  • CO₂-Einsparungen durch nachhaltige Verkehrsmittelwahl dokumentieren und in ESG-Reporting einbetten
  • Interne Kampagnen starten: Sichtbar machen, wie viel CO₂ die Belegschaft durch ÖPNV und Fahrrad einspart
  • Nachhaltigkeitsleistung als Teil des Employer-Branding nutzen — besonders wirksam bei der Ansprache jüngerer Talente

4. Kulturwandel aktiv gestalten

Verhaltensänderungen entstehen nicht durch Angebote allein — sie brauchen Kommunikation, Anreize und Vorbilder.

  • Frühzeitige Einbindung: Mitarbeitende in die Auswahl der Mobilitätsoptionen einbeziehen, bevor das neue Modell eingeführt wird
  • Pilotgruppe starten: 10–20 Personen testen das neue Angebot, Feedback einholen, dann skalieren
  • Prämien oder Matching: Wer in einem Monat ausschließlich nachhaltige Verkehrsmittel nutzt, erhält einen Bonus aus dem Budget — ein einfaches, wirksames Anreizsystem
  • Führungskräfte als Vorbilder: Wenn das Management das Dienstrad nimmt statt den Dienstwagen, senkt das die Hemmschwelle in der gesamten Belegschaft

Das Mobilitätsbudget als strategischer Hebel

Ein flexibles Mobilitätsbudget ist das einzige Instrument, das alle vier Handlungsfelder gleichzeitig adressiert: Es ist bedarfsgerecht (Pay-per-use statt Fixkosten), nachhaltig (77 % der Nutzung entfällt auf ÖPNV und Fahrrad), messbar (digitaler Belegprozess liefert CO₂-Daten) und individuell (jede:r Mitarbeitende wählt das passende Verkehrsmittel).

Gegenüber dem Dienstwagen ist es in den meisten Fällen auch günstiger: Bei einer Nutzungsquote von 60–75 % entstehen effektiv 420–825 € monatliche Kosten statt 700–1.100 € für einen Mittelklasse-Dienstwagen. Was nicht genutzt wird, kostet nichts.

Wie ein Mobilitätsbudget konkret eingeführt wird — von der Anbieterwahl bis zur Payroll-Integration — erklärt unsere Checkliste zur Einführung eines Mobilitätsbudgets.

Nachhaltigkeit messen: Was HR tracken sollte

Kennzahl Wie erheben Zielwert
Anteil nachhaltiger Verkehrsmittel Mobilitätsbudget-Plattform (Belegkategorien) > 70 % der Nutzung
CO₂-Einsparung ggü. Vorjahr Vergleich Pendelweg-Emissionen –10–20 % pro Jahr
Nutzungsquote Mobilitätsbudget Plattform-Auswertung > 75 % der Berechtigten
Mitarbeiterzufriedenheit mit Mobilität Jährliche Pulsbefragung Benchmark intern
Homeoffice-Anteil HR-System Je nach Strategie definieren

FAQ: Nachhaltige Mobilitätsstrategie für Unternehmen

Mobilität beeinflusst Mitarbeiterzufriedenheit, Pendelstress, Work-Life-Balance und Employer Branding. Gleichzeitig machen betriebliche Pendelwege über 40 % des gesamten Verkehrsaufkommens in Deutschland aus — HR hat hier einen direkten Hebel für ESG-Ziele.

Homeoffice-Ermöglichung hat den größten Einzeleffekt — wer nicht pendelt, erzeugt keine Emissionen. Für Präsenztage ist das Mobilitätsbudget der effektivste Hebel: 77 % der Nutzung entfällt auf nachhaltige Verkehrsmittel wie ÖPNV und Fahrrad.

Scope-3-Emissionen aus dem Pendelverkehr (Kategorie 7) werden über Mitarbeiterbefragungen oder digitale Plattformdaten ermittelt. Ein Mobilitätsbudget mit digitalem Belegprozess liefert diese Daten automatisch und CSRD-konform.

Ab dem ersten Mitarbeitenden — es gibt keine Mindestabnahme. Der administrative Aufwand ist durch digitale Plattformen unabhängig von der Unternehmensgröße gering.

Das Dienstfahrrad kann als eigene Kategorie im Mobilitätsbudget abgebildet werden oder als separates Leasing-Modell neben dem Budget laufen. Steuerlich sind beide Wege möglich — die steuerfreie Dienstfahrrad-Überlassung (0,25-%-Regelung) bleibt dabei unberührt.

Quellen: