Mitarbeitergesundheit als strategischer Unternehmensfaktor
Vorteile gesunder Mitarbeiter für Unternehmen
Das Thema Mitarbeitergesundheit gewinnt zunehmend an Bedeutung, da Unternehmen mehr denn je auf Effizienz, Innovation und Wettbewerbsvorteile angewiesen sind. Gesunde Mitarbeitende sind produktiver, engagierter und seltener krank. Unternehmen, die gezielt in die Gesundheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter investieren, können langfristig nicht nur Kosten senken, sondern auch ihre Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität als Arbeitgeber steigern.
In diesem ersten Teil unserer Blogserie erfahren Sie, warum die Gesundheit der Mitarbeitenden ein strategischer Erfolgsfaktor ist und wie Sie als Personalverantwortliche den Grundstein für eine gesunde Belegschaft legen können.
Mitarbeitergesundheit im Fokus
Warum Gesundheit zum Businessfaktor für HR wird
Laut dem Gesundheitsreport 2024 der Techniker Krankenkasse verursachten krankheitsbedingte Fehlzeiten in Deutschland im Schnitt 17,6 Fehltage pro Arbeitnehmer – ein Höchststand seit über 20 Jahren. Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm: Eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) schätzt den Produktivitätsverlust durch Fehlzeiten auf über 100 Milliarden Euro jährlich.
Psychische Belastungen nehmen dabei einen immer größeren Anteil ein: 11,5 % aller Fehltage gehen laut TK-Report auf psychische Erkrankungen zurück – mit steigender Tendenz.
Der iga.Report 40 zeigt: Betriebliche Gesundheitsförderung rechnet sich – mit einem durchschnittlichen Return on Investment (ROI) zwischen 2:1 und 5:1, abhängig von Maßnahme und Zielgruppe.
Definition: Was ist Mitarbeitergesundheit?
Mitarbeitergesundheit umfasst den physischen, psychischen und sozialen Gesundheitszustand von Beschäftigten. Zu den entsprechenden Maßnahmen zählen unter anderem präventive Angebote wie Ergonomie-Schulungen, Bewegungsprogramme und Ernährungsberatung, Stressreduktion, psychologische Unterstützung sowie eine gesundheitsfördernde Unternehmenskultur.
Gesundheit zahlt sich aus
Für Menschen und Unternehmen
Eine Gallup-Studie zeigt, dass Mitarbeitende mit hohem Wohlbefinden um 43 % produktiver und 81 % weniger häufig krank sind als Kolleg:innen mit niedrigem Wohlbefinden. Sie haben eine 2,6-mal höhere emotionale Bindung an ihr Unternehmen und bleiben signifikant länger im Unternehmen.
Für HR bedeutet das: Investitionen in Mitarbeitergesundheit sind kein „Nice to have“, sondern ein valides Mittel zur Fluktuationsreduktion und Performance-Steigerung.
Aktuelle Zahlen
Der Krankenstand in Deutschland lag im Jahr 2024 bei 5,4 %, was durchschnittlich 19,7 Fehltagen pro Mitarbeiter entspricht. Diese Zahlen basieren auf Auswertungen von Daten von über 2,4 Millionen Versicherten der DAK-Gesundheit und der Techniker Krankenkasse.
Besonders alarmierend ist die Verteilung der Krankheitsdauer: Nur 3,3 % der Krankheitsfälle dauern länger als sechs Wochen, verursachen aber 39,9 % aller Fehlzeiten.
Wirtschaftliche Auswirkungen von Fehlzeiten
Die finanziellen Folgen krankheitsbedingter Ausfälle sind dramatisch. Pro Fehltag entstehen im Durchschnitt Gesamtkosten in Höhe von 450 Euro, davon entfallen 250 Euro auf die direkte Lohnfortzahlung und weitere 200 Euro auf Produktivitätsverluste. Bei einem Mitarbeiter mit 15 Krankheitstagen summieren sich die Kosten somit auf über 11.000 Euro jährlich.
Die Vorteile gesunder Mitarbeitender im Überblick
Gesundheit zahlt sich mehrfach aus
Ein gesundes Team bringt Unternehmen viele Vorteile. Im Folgenden werden einige der wichtigsten Vorzüge beleuchtet:
- Höhere Produktivität
Gesunde Mitarbeitende erledigen ihre Aufgaben effizienter, sind konzentrierter und belastbarer. Eine kontinuierliche Arbeitsweise verbessert die Teamleistung und reduziert Projektverzögerungen. - Es gibt weniger Fehlzeiten.
Laut einer IHK-Umfrage berichten Unternehmen mit strukturiertem Gesundheitsmanagement von bis zu 25 % weniger krankheitsbedingten Ausfällen. Das ist ein deutlicher Wettbewerbsvorteil, gerade für KMU. - Positive Unternehmenskultur
Gesundheit wird zunehmend als Ausdruck von Wertschätzung verstanden. Das fördert ein vertrauensvolles Miteinander und verbessert das Betriebsklima. - Stärkere Mitarbeiterbindung
Laut einer LinkedIn-Studie (2023) ist Wohlbefinden für 63 % der Befragten ein entscheidendes Kriterium bei der Arbeitgeberwahl. Gesundheitsangebote steigern somit nicht nur das Employer Branding, sondern auch die Loyalität bestehender Mitarbeitender.
ROI betrieblicher Gesundheitsmaßnahmen
Die Investition in die Gesundheit der Mitarbeiter rechnet sich nachweislich. So erzielt das Betriebliche Gesundheitsmanagement einen Return on Investment von 2,7:1, bei Maßnahmen zur mentalen Gesundheit sogar von 5:1.
Das bedeutet: Jeder in Gesundheitsförderung investierte Euro bringt bis zu 5 Euro zurück.
Beispielhafter Business Case
Ein Unternehmen mit 500 Mitarbeitenden und durchschnittlich 18 Fehltagen pro Person hat jährlich rund 9.000 Ausfalltage.
Reduziert ein strukturiertes Gesundheitsmanagement die Fehlzeiten um nur 10 %, entsteht ein Potenzial von 900 eingesparten Ausfalltagen. Je nach Kosten pro Tag ergibt das eine deutliche wirtschaftliche Entlastung.
Umsetzungsempfehlungen für Unternehmen
Ein Einstieg für HR
Wie können Unternehmen nun gezielt die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden fördern? Es gibt eine Vielzahl von Maßnahmen, die Unternehmen implementieren können, um die Gesundheit ihrer Belegschaft zu unterstützen:
Strategische Verankerung des BGM
- Gesundheit als Unternehmensziel: Verankern Sie Gesundheit und Wohlbefinden explizit in der Unternehmensstrategie. Das signalisiert Wertschätzung und schafft Verbindlichkeit.
- Ganzheitlicher Ansatz: Berücksichtigen Sie physische, psychische und soziale Gesundheit. Moderne BGM-Programme setzen auf 360-Grad-Lösungen, die Bewegung, Ernährung, mentale Gesundheit und soziale Aspekte vereinen.
Analyse und Bedarfsermittlung
- Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen: Gesetzlich vorgeschrieben und essenziell, um Belastungsschwerpunkte zu identifizieren und gezielt anzugehen.
- Mitarbeiterbefragungen: Regelmäßige Umfragen zu Gesundheitsbedürfnissen und Belastungsfaktoren liefern wertvolle Insights für passgenaue Maßnahmen.
Maßnahmenentwicklung und -umsetzung
- Individuelle Programme: Setzen Sie auf eine Mischung aus Präsenz- und Online-Angeboten, um alle Zielgruppen zu erreichen. Gamification und Team-Challenges steigern die Teilnahmequoten und die Motivation.
- Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Investieren Sie in ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, um Rückenschmerzen und Muskel-Skelett-Erkrankungen vorzubeugen.
- Bewegungs- und Sportangebote: Firmenfitness, Laufgruppen oder digitale Bewegungs-Challenges fördern Ausgleich und Teamgeist.
- Mentale Gesundheit stärken: Bieten Sie Resilienztrainings, Stressmanagement-Workshops und Employee Assistance Programs (EAP) an. Die psychische Gesundheit ist 2024 ein zentrales Thema, das gezielt adressiert werden sollte.
Kommunikation und Unternehmenskultur
- Transparente Kommunikation: Informieren Sie regelmäßig über Angebote, Erfolge und Ziele des BGM. Eine offene Kommunikation fördert die Akzeptanz und Beteiligung.
- Führungskräfte einbinden: Schulen Sie Führungskräfte im Umgang mit psychischen Belastungen und machen Sie sie zu Multiplikatoren für Gesundheitsthemen.
Evaluation und Controlling
- Kennzahlenbasiertes BGM: Nutzen Sie Kennzahlen-Tools, um die Wirksamkeit Ihrer Maßnahmen zu messen und Ressourcen optimal einzusetzen.
- Regelmäßige Evaluation: Überprüfen Sie die Zielerreichung und passen Sie das BGM kontinuierlich an neue Herausforderungen an.
Best Practices
Dass die Förderung der Gesundheit der Mitarbeiter nicht nur ein gesellschaftlicher, sondern auch ein betriebswirtschaftlicher Vorteil ist, haben verschiedene Unternehmen erkannt. Hier zwei Beispiele:
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Die Siemens AG hat ein umfassendes betriebliches Gesundheitsmanagement eingeführt, das von ergonomischen Arbeitsplätzen bis hin zu umfangreichen Sportprogrammen reicht. Durch diese Maßnahmen konnte das Unternehmen nicht nur den Krankenstand senken, sondern auch die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steigern.
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Um das psychische Wohlbefinden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern, setzt dm-drogerie markt auf flexible Arbeitszeiten und gezielte Programme zur Stressbewältigung. Das Ergebnis: eine hohe Mitarbeiterbindung und eine geringe Fluktuation.
HR in der Schlüsselrolle
Fazit
Gesunde Mitarbeitende sind kein Zufall, sondern das Ergebnis einer bewussten Unternehmensstrategie, die von der Personalabteilung initiiert und gesteuert wird. Ob als Vorteil im „War for Talents”, als Produktivitätstreiber oder als Kulturanker: Die Gesundheit der Mitarbeitenden ist ein zentraler Hebel für den Unternehmenserfolg.
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um Strukturen und Angebote zu schaffen, die die Gesundheit fördern und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit Ihres Unternehmens sichern.
Häufige Fragen
Gesunde Mitarbeiter sind produktiver, seltener krank und stärker motiviert, was die Effizienz und das Betriebsklima im Unternehmen verbessert.
Unternehmen profitieren von weniger Fehlzeiten, einer höheren Mitarbeiterbindung und einer gesteigerten Produktivität.
BGM umfasst alle strategischen Maßnahmen, die die Gesundheit der Mitarbeiter fördern, wie Sportangebote, Ergonomie und Stressbewältigung.
Durch ergonomische Arbeitsplätze, Sportprogramme, flexible Arbeitszeiten und Maßnahmen zur Stressbewältigung.
Psychische Gesundheit ist ebenso wichtig wie körperliche. Maßnahmen gegen Stress und Burnout sind entscheidend, um die Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter zu gewährleisten.
Quellen
BKK Dachverband. (2024). Gesundheitsreport 2024 – Krankenstand auf Rekordniveau.
https://www.bkk-dachverband.de/presse/pressemeldungen/pm-2024-05-14-gesundheitsreport
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). (2023). Ergonomie am Bildschirmarbeitsplatz (DGUV Information 208-033).
https://publikationen.dguv.de/regelwerk/dguv-informationen/3651/ergonomie-am-bildschirmarbeitsplatz
Gallup. (2023). State of the Global Workplace 2023 Report.
https://www.gallup.com/workplace/349484/state-of-the-global-workplace.aspx
Gallup. (2020). Employee engagement drives performance.
https://www.gallup.com/workplace/236927/employee-engagement-drives-growth.aspx
Groom, B. (2023, Juni 20). Happy managers = happy staff? Employee engagement falters in Europe. Financial Times.
https://www.ft.com/content/f1789b0d-f96c-4449-baf0-7f9eb6a5fdff
IHK Gesundheitsmonitor (z. B. IHK Stuttgart). Auswertungen zu Wirkung von BGM-Maßnahmen.
https://www.stuttgart.ihk24.de (regionale Reports)
Initiative Gesundheit und Arbeit (iga). (2023). iga.Report 40: Wirtschaftlichkeit der betrieblichen Gesundheitsförderung.
https://www.iga-info.de/fileadmin/redakteur/Veroeffentlichungen/iga_Reporte/Dokumente/iga-Report_40_Wirtschaftlichkeit_BGF.pdf
Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln). (2021). Kosten krankheitsbedingter Fehlzeiten.
https://www.iwkoeln.de/studien/iw-trends/beitrag/oliver-stettes-volkswirtschaftliche-kosten-krankheitsbedingter-fehlzeiten.html
LinkedIn Economic Graph. (2023). LinkedIn Workforce Report – Germany.
https://economicgraph.linkedin.com/research/linkedin-workforce-report-germany-2023
Techniker Krankenkasse. (2023). Gesundheitsreport 2023: Fehlzeiten und Gesundheit am Arbeitsplatz.
https://www.tk.de/resource/blob/2121664/9c4cb066c43e4bdfd7b5a6ea57a19638/tk-gesundheitsreport-2023-data.pdf
Techniker Krankenkasse. (2024). Krankenstand 2024 leicht gesunken.
https://www.tk.de/presse/themen/gesundheitssystem/gesundheitsberichterstattung/krankenstand-2024-leicht-gesunken-2162046
